japan | 26. September 13
Kfz-Versicherungen: ein weiteres spannendes Thema in Japan...
Ist ja in Deutschland schon kompliziert und undurchsichtig genug, aber auch hier schaffen es die Japaner (zumindest bei mir), einen noch höheren Verwirrungsgrad zu erzeugen. Natürlich liegt das auch wieder mit an der Sprache, aber trotzdem die Geschichte dazu.
Es fing damit an, dass wir ein zweites Mopped angeschafft haben (war günschtig). Umschreibung etc. hat der vorherige Besitzer noch für uns erledigt, er war Lehrer an der Deutschen Schule und kehrt Japan nach 4 Jahren den Rücken. Der Behördenmarathon blieb uns hierbei also erspart.
Nun hat man zwar eine Pflichtversicherung, ohne die es keine Zulassung gibt, aber der Deckungsumfang ist so lächerlich, dass man unbedingt noch eine freiwillige Zusatzversicherung abschliessen sollte, die im Falle des (Un-)Falles dann auch höhere Schäden am fremdem Leib und Eigentum deckt. Bereits ein Bagatellschaden überschreitet die Deckungssumme dieser Pflichtversicherung und daher ist es selbst für notorische Unterversicherer wie mich eindeutig angezeigt, entsprechend vorzusorgen.
Bei der im letzten Jahr erfolgten Fuhrparkgründung war das fast kein Problem, da es erfreulicherweise Honda-san gab; einer der wenigen Japaner, die des Englischen mächtig sind und seines Zeichens Versicherungsmakler. Ein kleiner Ortstermin in der Firma und schon waren die Suzi und später der Evo adäquat versichert.
Mitte diesen Jahres kündigte sich dann jedoch verhalten Unheil an: Eine etwas schwierig interpretierbare Mitteilung in lupenreinem Janglish informierte, dass Honda-san seine Agentur verlässt und zu einem neuen Arbeitgeber wechselt. Da letzterer die bei Expats beliebte Versicherung nicht im Portfolio hat, entfällt also auch die Unterstützung seinerseits für Kunden eben dieser Versicherung. Bei einer Mailanfrage eines deutschen Kollegen stellte sich dann heraus, dass es bei der "alten" Agentur einen Nachfolger für Honda-san gibt. Also kein Problem, sollte man meinen...
Als nun das Zweit-Mopped versichert werden sollte, wendete ich mich Ende Juli also guter Dinge an Tada-san, den Nachfolger Honda-sans. Per E-Mail bat ich ihn freundlich (glaube ich) um ein Angebot für das neue Kfz, das ich aus genanntem Grund ohne Versicherung nur ungern bewegen wollte. Nachdem einige Tage auf meine erste Mail keine Antwort kam, fragte ich nochmals nach. Und wartete weiter. Und weiter. Bis heute übrigens.
Kein Problem, wenn der Kamerad keine Geschäfte mit unbequemen Ausländern machen will oder kann, schaue ich einfach woanders. Ein anderer deutscher Kollege hat seine Fahrzeuge über eine Maklerin am Standort Higashimatsuyama (ja, das heißt so) versichert, dann gehe ich eben auch dort hin. Hätte zwar gerne alles "unter einem Dach" gehabt, aber was solls. Also wieder eine Mail geschickt (auf Englisch, nicht etwa Deutsch), ein paar Tage warten, nachhaken, warten... warten... und nichts. Bis heute.
In der Zwischenzeit kristallisierte sich (über einen weiteren Kollegen) außerdem heraus, dass Honda-sans neue Agentur zwar eine brauchbare Autoversicherung zu haben scheint, für Motorräder jedoch nichts anständiges anbieten kann (Aussage Honda-san - er wird es wohl wissen). Eine Zusatzinformation, die mich nicht weiterbringt, aber vielleicht die verfahrene Situation etwas verstärkt.
Im nächsten Akt fällt mir beim Aufräumen am vergangenen Wochenende eine Mitteilung meiner Versicherung in die Hände, die darüber informiert, dass die Versicherung für die Suzuki am 22.09.2013 abläuft (oh, das ist heute) und mich mein Agent rechtzeitig bzgl. Verlängerung kontaktieren wird (oh, das ist nicht passiert). Der Schrieb kam vor ungefähr zwei Monaten; nett dass man zeitig informiert wird. Weniger nett, dass danach nichts mehr passiert, man sich aber auf das Gegenteil verlassen hatte.
Status am 23. September ist also, dass ich zwei Motorräder vor der Tür stehen habe, die ich guten Gewissens nicht fahren kann. Herzlichen Dank.
Für den Evo kam letzte Woche die gleiche Mitteilung, nur dass ich jetzt noch bis November Zeit habe, SELBST etwas zu unternehmen.
Da es beim für meine Versicherung zuständigen Maklerbüro offenbar nicht üblich ist E-Mails zu beantworten, bat ich gestern in meiner Verzweiflung meinen stets hilfsbereiten Kollegen Reza, dort anzurufen und der Nicht-Kommunikation auf Japanisch auf den Grund zu gehen. Der Erstversuch landet nach mehreren Zwischenstationen auf einer Mobilbox, beim zweiten Mal verspricht eine Mitarbeiterin einen Rückruf. Und tatsächlich klingelt eine halbe Stunde später mein Telefon... Am anderen Ende ist - Honda-san! Der doch eigentlich nicht mehr für "meine" Versicherung zuständig ist..? WTF? Nun, er entschuldigt sich für die "inconvenience" und bietet an, am nächsten Tag vorbeizukommen und das Problem zu beheben. Seine Lösung sieht so aus, dass ich zu einer neuen Versicherung wechsele, die von seinem Büro vertreten wird. Tada-san? Keine Ahnung, was der macht. Aber sicherlich kein Englisch lernen.
Heute morgen 9:30 Uhr: Ortstermin im Büro. Honda-san wartet pünktlich mit seinem neuen Kollegen Takano-san, die Papiere liegen weitgehend ausgefüllt auf dem Tisch bereit. Ein paar Erläuterungen, ein paar Details werden geklärt und eine halbe Stunde später sind zwei Moppeds und der Evo (ab November) frisch versichert. Geht doch.
Honda-san scheint zu wissen, wie man Geschäfte macht. Da könnten Tada-san und die Versicherungstante aus Higashimatsuyama wohl noch was lernen. Wollen sie aber vielleicht gar nicht.
Diese kleine Geschichte festigt (leider) einige der Eindrücke, die ich bisher glaube gewonnen zu haben:
Viele Japaner scheinen Angst vor Ausländern zu haben oder finden sie zumindest unangenehm.
Viele Japaner scheinen kein oder nur wenig Englisch zu können.
Viele Japaner scheinen zu glauben Probleme durch aussitzen lösen zu können (was in diesem Fall ja auch wieder geklappt hat, denn der lästige Ausländer meldet sich nun nicht mehr).
Ein erstaunliches Land, eine erstaunliche Kultur. Wie funktioniert das alles, wie hält es im Inneren zusammen? Ich habe die dumpfe Ahnung, es wohl auch nach Jahren nicht zu verstehen.
Happy motoring!
/J
Ist ja in Deutschland schon kompliziert und undurchsichtig genug, aber auch hier schaffen es die Japaner (zumindest bei mir), einen noch höheren Verwirrungsgrad zu erzeugen. Natürlich liegt das auch wieder mit an der Sprache, aber trotzdem die Geschichte dazu.
Es fing damit an, dass wir ein zweites Mopped angeschafft haben (war günschtig). Umschreibung etc. hat der vorherige Besitzer noch für uns erledigt, er war Lehrer an der Deutschen Schule und kehrt Japan nach 4 Jahren den Rücken. Der Behördenmarathon blieb uns hierbei also erspart.
Nun hat man zwar eine Pflichtversicherung, ohne die es keine Zulassung gibt, aber der Deckungsumfang ist so lächerlich, dass man unbedingt noch eine freiwillige Zusatzversicherung abschliessen sollte, die im Falle des (Un-)Falles dann auch höhere Schäden am fremdem Leib und Eigentum deckt. Bereits ein Bagatellschaden überschreitet die Deckungssumme dieser Pflichtversicherung und daher ist es selbst für notorische Unterversicherer wie mich eindeutig angezeigt, entsprechend vorzusorgen.
Bei der im letzten Jahr erfolgten Fuhrparkgründung war das fast kein Problem, da es erfreulicherweise Honda-san gab; einer der wenigen Japaner, die des Englischen mächtig sind und seines Zeichens Versicherungsmakler. Ein kleiner Ortstermin in der Firma und schon waren die Suzi und später der Evo adäquat versichert.
Mitte diesen Jahres kündigte sich dann jedoch verhalten Unheil an: Eine etwas schwierig interpretierbare Mitteilung in lupenreinem Janglish informierte, dass Honda-san seine Agentur verlässt und zu einem neuen Arbeitgeber wechselt. Da letzterer die bei Expats beliebte Versicherung nicht im Portfolio hat, entfällt also auch die Unterstützung seinerseits für Kunden eben dieser Versicherung. Bei einer Mailanfrage eines deutschen Kollegen stellte sich dann heraus, dass es bei der "alten" Agentur einen Nachfolger für Honda-san gibt. Also kein Problem, sollte man meinen...
Als nun das Zweit-Mopped versichert werden sollte, wendete ich mich Ende Juli also guter Dinge an Tada-san, den Nachfolger Honda-sans. Per E-Mail bat ich ihn freundlich (glaube ich) um ein Angebot für das neue Kfz, das ich aus genanntem Grund ohne Versicherung nur ungern bewegen wollte. Nachdem einige Tage auf meine erste Mail keine Antwort kam, fragte ich nochmals nach. Und wartete weiter. Und weiter. Bis heute übrigens.
Kein Problem, wenn der Kamerad keine Geschäfte mit unbequemen Ausländern machen will oder kann, schaue ich einfach woanders. Ein anderer deutscher Kollege hat seine Fahrzeuge über eine Maklerin am Standort Higashimatsuyama (ja, das heißt so) versichert, dann gehe ich eben auch dort hin. Hätte zwar gerne alles "unter einem Dach" gehabt, aber was solls. Also wieder eine Mail geschickt (auf Englisch, nicht etwa Deutsch), ein paar Tage warten, nachhaken, warten... warten... und nichts. Bis heute.
In der Zwischenzeit kristallisierte sich (über einen weiteren Kollegen) außerdem heraus, dass Honda-sans neue Agentur zwar eine brauchbare Autoversicherung zu haben scheint, für Motorräder jedoch nichts anständiges anbieten kann (Aussage Honda-san - er wird es wohl wissen). Eine Zusatzinformation, die mich nicht weiterbringt, aber vielleicht die verfahrene Situation etwas verstärkt.
Im nächsten Akt fällt mir beim Aufräumen am vergangenen Wochenende eine Mitteilung meiner Versicherung in die Hände, die darüber informiert, dass die Versicherung für die Suzuki am 22.09.2013 abläuft (oh, das ist heute) und mich mein Agent rechtzeitig bzgl. Verlängerung kontaktieren wird (oh, das ist nicht passiert). Der Schrieb kam vor ungefähr zwei Monaten; nett dass man zeitig informiert wird. Weniger nett, dass danach nichts mehr passiert, man sich aber auf das Gegenteil verlassen hatte.
Status am 23. September ist also, dass ich zwei Motorräder vor der Tür stehen habe, die ich guten Gewissens nicht fahren kann. Herzlichen Dank.
Für den Evo kam letzte Woche die gleiche Mitteilung, nur dass ich jetzt noch bis November Zeit habe, SELBST etwas zu unternehmen.
Da es beim für meine Versicherung zuständigen Maklerbüro offenbar nicht üblich ist E-Mails zu beantworten, bat ich gestern in meiner Verzweiflung meinen stets hilfsbereiten Kollegen Reza, dort anzurufen und der Nicht-Kommunikation auf Japanisch auf den Grund zu gehen. Der Erstversuch landet nach mehreren Zwischenstationen auf einer Mobilbox, beim zweiten Mal verspricht eine Mitarbeiterin einen Rückruf. Und tatsächlich klingelt eine halbe Stunde später mein Telefon... Am anderen Ende ist - Honda-san! Der doch eigentlich nicht mehr für "meine" Versicherung zuständig ist..? WTF? Nun, er entschuldigt sich für die "inconvenience" und bietet an, am nächsten Tag vorbeizukommen und das Problem zu beheben. Seine Lösung sieht so aus, dass ich zu einer neuen Versicherung wechsele, die von seinem Büro vertreten wird. Tada-san? Keine Ahnung, was der macht. Aber sicherlich kein Englisch lernen.
Heute morgen 9:30 Uhr: Ortstermin im Büro. Honda-san wartet pünktlich mit seinem neuen Kollegen Takano-san, die Papiere liegen weitgehend ausgefüllt auf dem Tisch bereit. Ein paar Erläuterungen, ein paar Details werden geklärt und eine halbe Stunde später sind zwei Moppeds und der Evo (ab November) frisch versichert. Geht doch.
Honda-san scheint zu wissen, wie man Geschäfte macht. Da könnten Tada-san und die Versicherungstante aus Higashimatsuyama wohl noch was lernen. Wollen sie aber vielleicht gar nicht.
Diese kleine Geschichte festigt (leider) einige der Eindrücke, die ich bisher glaube gewonnen zu haben:
Viele Japaner scheinen Angst vor Ausländern zu haben oder finden sie zumindest unangenehm.
Viele Japaner scheinen kein oder nur wenig Englisch zu können.
Viele Japaner scheinen zu glauben Probleme durch aussitzen lösen zu können (was in diesem Fall ja auch wieder geklappt hat, denn der lästige Ausländer meldet sich nun nicht mehr).
Ein erstaunliches Land, eine erstaunliche Kultur. Wie funktioniert das alles, wie hält es im Inneren zusammen? Ich habe die dumpfe Ahnung, es wohl auch nach Jahren nicht zu verstehen.
Happy motoring!
/J
madmax.biaggi,
Mittwoch, 2. Oktober 2013, 07:58
ich bin ähnlich sprachlös wie nach der anschaffung eure apfel familie...
nur mal so, ich zische morgen nochmal für ne woche ins bamboo hotel und versuche das konto der biketage nochmals ein wenig aufzubessern ;-)...hier habe ich auch keine versicherungsprobleme ;-)
nur mal so, ich zische morgen nochmal für ne woche ins bamboo hotel und versuche das konto der biketage nochmals ein wenig aufzubessern ;-)...hier habe ich auch keine versicherungsprobleme ;-)
japan,
Mittwoch, 23. Oktober 2013, 00:56
Dafür erlebe ich hier viele lustige Dinge. Leider auch manche unlustige...
/J
/J
madmax.biaggi,
Mittwoch, 23. Oktober 2013, 08:54
unlustige klingt nichtn lustig? willst du uns teilhaben lassen?
mattwe,
Freitag, 18. Oktober 2013, 06:30
haha, zu lustig, also ind er Sache vielleicht nicht, aber ge- oder be-schrieben. vielleicht solltest Du Dir bei einer Deutschen Agentur in Japan eine Stelle als Kolumnenschreiber suchen?
bremse,
Sonntag, 20. Oktober 2013, 18:39
Das finde ich auch! Ich kann mich meinem "Vorschreiber" nur anschließen!! Total unterhaltsam!
br.
br.